Die Versicherungsbranche entdeckt die Expatriates. Es geht um die Risikoabsicherung mobiler Mitarbeiter. Ein interessanter Markt.

Schweizer Industrieunternehmen schicken ihre Mitarbeiter nach Asien, amerikanische Finanzspezialisten kommen nach Europa: Mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft beschäftigen immer mehr Firmen Mitarbeiter, die ausserhalb ihres Heimatlandes tätig sind. Die Risikoabsicherung dieser mobilen Mitarbeiter ist für die Unternehmen eine wichtige und komplexe Aufgabe geworden.

Ohne Heimbasis

Singapur is calling: F. W. ist seit vier Jahren als Vermögensverwalter bei einer Schweizer Privatbank in Zürich tätig. Nun hat er die Möglichkeit, die nächsten zwei Jahre für die Niederlassung der Bank in Singapur zu arbeiten.

Oder ab nach China: Ein mittelgrosser Schweizer Maschinenbauer entsendet die finnische Ingenieurin K. L. für drei Jahre ins Reich der Mitte. Ihr Ehemann und der sechsjährige Sohn werden sie begleiten. Der indische IT-Spezialist C. M. ist seit fünf Jahren für ein grosses Schweizer Pharmaunternehmen tätig. Aufgrund seines Fachwissens und seiner Flexibilität wird er bei Projekten in den verschiedensten Niederlassungen eingesetzt. Derzeit arbeitet er für vier Monate in den USA, danach ist ein halbjähriges Projekt in Russland geplant.

Offshore-Sparpläne

So verschieden die Ausgangslage in diesen Beispielen auch ist, all diese Mitarbeiter international tätiger Firmen oder Organisationen benötigen eine mehr oder weniger umfangreiche Versicherungsdeckung. Diese können die Mitarbeiter über die Sozialversicherung des Heimatlandes oder des Einsatzlandes erreichen oder über eine Privatversicherung, die eine fehlende Sozialversicherung ergänzt oder als Ersatz für diese abgeschlossen wird.

Bei einer klassischen Entsendung eines Schweizers für beispielsweise zwei Jahre ist vor allem der Krankenversicherungsschutz ein Thema. Denn dieser Expatriate wird in der Regel zum Schweizer Hauptsitz zurückkehren. Beim Einsatz des indischen IT-Spezialisten oder der finnischen Ingenieurin sind aber auch Fragen zur Altersvorsorge und Risikoabsicherung (Invalidität, Tod) zu beantworten. Diese «Third Country Nationals» können in der Regel nicht in die Schweizer Sozialversicherung (AHV, Pensionskasse) aufgenommen werden, und je nach Einsatzland oder Herkunft greift der Schutz durch ihre ursprüngliche oder die neue Sozialversicherung zu kurz.

Einige Versicherer haben Produkte entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse der mobilen Belegschaft ausgerichtet sind. Sogenannte «Offshore»- Sparpläne ermöglichen einen flexiblen und steuerlich interessanten Aufbau der Altersvorsorge; unabhängig vom Einsatzland. Ein solcher Sparplan lässt sich mit einer Invaliditäts- und/oder Todesfallabsicherung kombinieren.

Wachsender Markt

Die Versicherungsbranche hat auf die wachsende Mobilität und daraus resultierende Bedürfnisse reagiert. Vor allem im für internationale Mitarbeiter und deren Familien wichtigen Bereich der Krankenversicherung gibt es eine grosse Anzahl von Versicherern (siehe Box), die sich den Markt streitig machen.

Schweizer Krankenkassen mit speziellen Produkten für Auslandeinsätze finden sich indes nur wenige. Denn sie können als national tätige Firmen nur bedingt die spezifischen Bedürfnisse von Personen im Ausland abdecken. Daher arbeiten einige Krankenkassen mit internationalen Partnern zusammen. Sie haben den Vorteil, dass sie durch ihre globale Tätigkeit genügend Ressourcen haben, um weltweit in Leistungserbringer-Netzwerke wie Spitäler und in Zentren für die Schadenabwicklung zu investieren.

Gute Versorgung sicherstellen

Kunden können von der zunehmenden Konkurrenzsituation profitieren. Es wird leichter, bessere Leistungen zu einem guten Preis einzufordern. Das ist vor dem Hintergrund steigender Krankenversicherungsprämien wichtig. Für die Verantwortlichen ist es oft schwierig, den Überblick über alle Angebote zu bewahren: Sind die Mitarbeiter richtig versichert? Zahlen wir zu viel? Gäbe es besseren Service und umfangreichere Leistungen? Dabei ist es in diesem Bereich entscheidend, Mitarbeitern die beste Lösung anzubieten. Denn Expatriates, aber auch die anderen Kategorien von internationalen Mitarbeitern sind in der Regel teure «High Potentials». Es ist daher wichtig, dass sich diese Mitarbeiter im sensiblen Bereich der Risikoabsicherung gut versorgt fühlen.

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